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Die Hanga Sammlung![]() Blauer und roter Ara von Sozan Ito, 1884-? Sie haben vielleicht von der berühmten Sammlung von Hanga ("Grafiken") von Robert O. Muller gehört. Aber Sie haben sehr wahrscheinlich noch nie etwas von Marys Sammlung gehört. Mary kam in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts als junge Kunstlehrerin nach Japan und kaufte eine kleine, aber feine Sammlung japanischer Farbholzschnitte zusammen - zumeist Shin Hanga. Die Sammlung erinnert uns an die Holzschnitte, die wir in zahlreichen Auktionen mit Losen aus der Sammlung des verstorbenen Robert O. Muller (1911-2003) gesehen haben. Marys Sammlung wird wohl kaum jemals in der Sackler Galerie des Smithonians (ein berühmtes Museum in den USA) gezeigt werden. Und sehr wahrscheinlich wird auch niemand ein Buch mit einem Titel wie "Mary's Sammlung - Die Neue Welle" veröffentlichen. Wir von artelino erhielten diese Sammlung von shin hanga im Dezember 2004 als Einlieferung und fanden die Geschichte dahinter so reizend, dass wir uns spontan entschlossen, sie auf unserer Web Site zu veröffentlichen. Da wir nicht sicher sind, ob die Eigentümerin die Veröffentlichung ihres vollen Namens wünscht, nennen wir sie hier einfach nur Mary. Marys Reise nach Japan![]() Mond und Meer von Koho Shoda 1871?-1946? Mary war in den dreissiger Jahren eine junge Kunstlehrerin und gerade am Anfang ihrer Laufbahn, als sie sich entschloss nach Japan zu reisen. Während ihres Kunststudiums hatte sie japanische Holzschnitte schätzen gelernt. Wie viele Kunstinteressierte aus dem Westen, war sie zu einer begeisterten Liebhaberin von Ukiyo-e geworden. Eine Reise nach Japan war in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts noch sehr anders als ein Hüpfer mit einem Düsenflugzeug in unserer heutigen Zeit. Es war ein sehr kostspieliges, zeitaufwendiges und abenteuerliches Unterfangen. Die Reise über den Pazifik von den USA nach Japan dauerte wenigstens 2 Wochen in einem Passagierschiff. Und für eine junge Frau, die zwar ein offenes Auge für fremde Kulturen, aber wenig Geld hatte, war es umso schwieriger. Aber Mary schaffte es ganz allein. Nach ihrer Ankunft in Tokyo besuchte Mary so ziemlich alle Läden, in denen es japanische Farbholzschnitte zu kaufen gab. Aber ihr Budget war natürlich begrenzt. Shin Hanga in Japan in den dreissiger Jahren![]() Azalea und gelbe Blumen Hiroaki Takahashi 1871-1945 Auf dem japanischen Markt für Farbholzschnitte gab es damals im wesentlichen 3 Arten von "Ukiyo-e" zu kaufen: Teure Originale der grossen Meister wie Utamaro oder Hokusai, dann gut gemachte Reproduktionen (und natürlich auch Fälschungen) der alten Meister und nicht zu letzt zeitgenössische Holzschnitte der sogenannten Shin Hanga Bewegung. Auch die Sosaku Hanga Künstler sollten nicht unerwähnt bleiben. Dies waren sehr moderne Grafiken von ambitionierten, japanischen Künstlern, die ihre Werke nicht nur selbst zu Papier brachten, sondern auch das Schnitzen der Blöcke und das Drucken selbst ausführten. Aber Sosaku Hanga war damals im Markt noch kaum sichtbar und wurde erst nach dem Ende des 2. Weltkrieges von den amerikanischen Soldaten, die in Japan stationiert waren, gekauft. Shin Hanga - die Grafiken der "neuen Welle" - vereinten die traditionelle japanische Kunst des Holzschnitts mit einigen weniger revolutionären Elementen westlicher Kunst wie der Darstellung der Wirkung von Licht und Schatten. Shin Hanga war eine Renaissance der alten Ukiyo-e Techniken und das Ergebnis einer Arbeitsteilung zwischen dem Künstler, einem Blockschnitzer und einem Drucker, deren Arbeit eine lange Ausbildung erforderte und zu guter letzt des Verlegers, der das wirtschaftliche Risiko trug und für die Vermarktung zuständig war. Unter dem Aspekt technischer Perfektion stellte Shin Hanga einen nie gekannten Gipfel in der Geschichte der japanischen Grafikkunst dar. Die Holzschnitte der "Neuen Welle" waren ausserhalb Japans sehr beliebt, vor allem in den USA. Diese Erfolgsstory ist eng mit einem einzelnen Namen gekoppelt - Watanabe Shozaburo. Er war der dominierende Verleger und der grosse Mentor von Shin Hanga. Und obwohl Watanabe sogar ein oder zwei Grafiken selbst entworfen hatte, war er nicht als Künstler stark, sondern als geschickter Geschäftsmann. Im Jahr 1923 erhielt das Shin Hanga Geschäft einen herben Rückschlag als das Grosse Kanto Erdbeben Japan erschütterte. Watanabes Laden und Werkstatt mit hunderten von Originalblöcken wurde ein Raub der Flammen, die Tokyo und Yokohama unmittelbar in Folge des Erdbebens heimsuchten. Aber Watanabe erholte sich wirtschaftlich rasch, und Ende der zwanziger und Anfang der dreissiger Jahre war sein Exportgeschäft mit Shin Hanga auf einem neuen Höhepunkt. Wir wissen nicht, wann genau die junge Lehrerin Mary nach Japan kam. Aber es war wahrscheinlich in der zweiten Hälfte der dreissiger Jahre. Zu der Zeit begannen die politischen Ereignisse ihre negativen Auswirkungen auf den Export japanischer Grafikkunst zu werfen. Japans agressiver Imperialismus in Asien mit der Invasion der Manchurai und Chinas hatten die Weltmeinung rasch gegen alles Japanische gestimmt. Auch japanische Kunst machte keine Ausnahme. Verleger wie Watanabe waren mit harten Zeiten konfrontiert und versuchten den Ausfall des Exportgeschäfts am heimischen Markt mit der Organisation von Ausstellungen in den Kaufhäusern Tokyos zu kompensieren. Als Folge des geschäftlichen Einbruchs waren japanische Shin Hanga in Japan so billig wie nie. Als der Sammler und Kunsthändler Robert O. Muller im Jahr 1940 zusammen mit seiner jungen Frau Inge nach Japan kam, konnte er es sich leisten Shin Hanga in grossen Mengen einzukaufen. Marys Hanga Sammlung![]() Schwimmende weisse Gänse von Koson Ohara 1877-1945 Mary kaufte Ihre Sammlung in den Läden von Tokyo mit zwei Zielen im Auge: Welches waren die besten Designs und welche Blätter waren für den Kunstunterricht am besten geeignet ? Nach ihrer Rückkehr in die U.S.A. dienten ihre japanischen Holzschnitte über gut 50 Jahre bis zu ihrer Pensionierung als Anschauungsmaterial für den Kunstunterricht. Die Sammlung besteht zumeist aus Shin Hanga - von Künstlern wie Sozan Ito, Koho Shoda, Koson Ohara oder Hiroaki Takahashi (Shotei). Aber auch einige Reproduktionen von berühmten Ukiyo-e Blättern befinden sich darunter. Die Sammlung weist eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den Blättern auf, die wir aus dem Teil der Robert O. Muller Kollektion kennen, der in den Handel gelangte und die wir zum Teil in unseren eigenen Auktionen anbieten durften. Einige der Blätter sind sogar identisch. Mary und Robert O. Muller hatten etwas gemeinsam - guten Geschmack und ein scharfes Auge für japanische Kunst. Aber die Lehrerin Mary hatte im Gegensatz zu Robert O. Muller nicht die finanziellen Mittel um grössere Mengen zu kaufen. Und es war auch nie ihre Absicht gewesen. Mary war keine Kunsthändlerin, sondern eine engagierte Kunstlehrerin. Ihre Geschichte gefiel uns. Was sie damals ganz allein in den dreissiger Jahren begann, erforderte Mut und ein aufrechtes Herz. Und später zu Hause erforderte es unter den anti-japanischen Emotionen der vierziger und frühen fünfziger Jahre genauso viel Mut jungen Amerikanern die Schönheit japanischer Farbholzschnitte zu lehren. Sie war eine durchschnittliche Amerikanerin mit einem offenen Auge für eine andere Kultur. Mit ihrer kleinen Sammlung, ihrem tapferen Herzen und 50 engangierten Jahren in der Kunsterziehung praktizierte sie die Werte, die ihr Land gross gemacht haben. Dieter und Yorie Das Copyright für die Bilder auf dieser Web Seite ist Eigentum des/der Künstler(s) und/oder der artelino GmbH und/oder eines Dritten. Vervielfältigung, öffentliche Wiedergabe und jegliche kommerzielle Nutzung dieser Bilder, als ganzes oder in Teilen, erfordern die ausdrückliche schriftliche Zustimmung des/der Künstler(s) und/oder der artelino GmbH. . |
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