Robert O. Muller (1911-2003) - zwei Jahre später

Heimkehrende Fischer
Heimkehrende Fischer
von Gesso Yoshimoto 1881-1936

Zwei Jahre nach dem Tode von Robert O. Muller am 10. April 2003, wollen wir mit diesem kleinen Essay zusammenfassen, was sich seitdem an Ausstellungen und Publikationen über diesen herausragenden Kunstsammler und Kunsthändler bewegt hat, der die wohl grösste Sammlung an japanischen Holzschnitten des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen getragen hatte, die die Welt jemals gesehen hat.

Was ist die Muller Kollektion ?

Robert O. Muller machte seine ersten Begegnungen mit japanischen Farbholzschnitten als junger Student in New York in den dreissiger Jahren. Im Jahr 1940 begab er sich zusammen mit seiner Braut Inge auf Einkaufstour nach Japan. Der bevorstehende Pazifikkrieg hatte schon lange seine Schatten auf den japanischen Kunstexport geworfen und Robert Muller konnte sehr günstig einkaufen. Er traf die wichtigsten Verleger wie beispielsweise Watanabe Shozaburo und etliche Künstler wie Hiroshi Yoshida und kaufte zumeist Shin Hanga in riesigen Mengen ein.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges nahm Muller den Handel mit japanischen Holzschnitten wieder auf. Aber er war nicht nur Händler, sondern auch Sammler mit einem scharfen Auge für gute Kunst. Obwohl die "Muller Kollektion" vor allem für Werke der Shin Hanga Bewegung bekannt ist, sammelte "Bob" auch intensiv Blätter des späten 19. Jahrhunderts, sowie gute Reproduktionen berühmter Edo Meister. Und nicht zuletzt enthielt die Sammlung auch feinste Exemplare japanischer Rollgemälde.

Als Robert O. Muller am 10. April 2003 verstarb, hinterlies er wohl die grösste und erlesenste Sammlung japanischer Holzschnitte, die die Welt jemals gesehen hatte. Sein Tod und die Frage was danach wohl mit seiner Sammlung passieren würde, war über Monate das Thema Nr. 1 unter Freunden japanischer Kunst und unter Kunsthändlern.

Ausstellung in der Arthur M. Sackler Galerie des Smithsonian Instituts

Zwei Enten und der Mond
Zwei Enten und der Mond
von Koson Ohara 1877-1945

Ein Seufzer der Erleichterung ging durch die Kunstwelt, als die Presse berichtete, dass der wichtigste Teil der Sammlung mit über 4.500 Holzschnitten und Gemälden und einem umfangreichen Archiv an Dokumenten von Mullers Erben an ein Museum vermacht wurde - der angesehenen Arthur M. Sackler Galerie des Smithsonian Instituts in Washington D.C..

Vom 6. November 2004 bis zum 2.Januar 2005 zeigte die Arthur M. Sackler Galerie den ersten Teil der Sammlung mit ca. 150 Exponaten am "Smithsonian" in Washington D.C.:

"Dream Worlds: Modern Japanese Prints and Paintings from the Robert O. Muller Collection"

Nach unseren Inforamtionen soll das Museum planen, die Sammlung stückweise mit je einer Ausstellung pro Jahr der Öffentlichkeit zu zeigen.

Das Buch zur Ausstellung

Die Ausstellung wurde von einem Buch und offiziellem Katalog begleitet, der von Kit Publishing/Hotei Publishing verlegt wurde. artelino hat eine kurze Rezension des Buches mit dem englischen Titel Printed to Perfection geschrieben.

"Leidenschaftliches Streben nach Perfektion"

Tsukagoshi Shrine
Tsukagoshi Shrine
von Hiroaki Takahashi 1871-1945

Das Buch enthält einen Artikel - "The Passionate Quest for Perfection", verfasst von Frau Joan B. Mirviss. Es ist die beste und detaillierteste Information über das Leben von Robert O. Muller und die Geschichte seiner Sammlung, die wir kennen. Joan B. Mirviss, eine Händlerin für japanische Kunst, Museumskuratorin und Lektorin, kannte die Muller Familie seit mehr als 25 Jahren. Sie spielte eine wichtige Rolle bei dem Vermächtnis des Kerns der Sammlung and das Smithsonian Institut/ Arthur M. Sackler Galerie. Und Frau Mirviss wurde ausserdem von der Muller Familie mit dem Verkauf des "Restes" der Sammlung beauftragt.

"The family of Robert O. Muller has designated Joan B. Mirviss, Ltd. to be the exclusive agent for the sale of the duplicate prints and the extraordinary collection of paintings. As a close friend and advisor for over twenty-five years, Joan has assisted with the selection and acquisition of many of the paintings in the collection. In 1997, she also first introduced Bob Muller to the Sackler Gallery and its dedicated staff, keeping all parties active in the acquisition process that resulted in the bequest of the core print collection. It is therefore with great pleasure that we can now offer on-line selections from the Robert O. Muller collection of duplicate prints and paintings."
(Originaltext der Hompage von Frau Joan B. Mirviss)

Für weitere Informationen verweisen wir auf die Homepage von Joan B. Mirviss Ltd..

Muller Grafiken im Markt

Wasserwirbel bei Naruto, Reproduktion
Wasserwirbel bei Naruto, Reproduktion
von Hiroshige Ando 1797-1858

Seit Sommer 2003 kam der Teil der Sammlung, der für den Handel bestimmt war, in den Markt - entweder "leise" oder mit einem spektalulärem Knall. Im November 2003 hatte unser Mitbewerber in den U.S.A., Asian Collection Internet Auction, von Paul und Janiece Knutson, eine grosse Auktion ausschliesslich mit Holzschnitten aus dem Nachlass von Robert O. Muller veranstaltet. Und artelino folgte wenige Tage später. Seitdem haben artelino und die Knutsons mehrere Auktionen ausschliesslich mit "Muller Holzschnitten" abgehalten.

Die beiden Online Auktionsveranstalter mögen spektakulär sein, aber sie sind nicht die einzigen Anbieter für Holzschnitte aus dem Nachlass von Robert O. Muller. Etliche professionelle Kunstgalerien und Händler verkaufen sie - manchmal mit Hinweis auf die Herkunft und manchmal ohne.

Wir wurden öfters gefragt ob und wenn ja, wie ein Holzschnitt als aus der "Muller Sammlung" stammend, erkannt werden kann. Es gibt kein eindeutiges Charakteristikum wie zum Beispiel einen Sammlerstempel. Aber die meisten Holzschnitte haben bestimmte Eigenschaften.

  • Da die Grafiken professionell gelagert und niemals gerahmt wurden, ist ihr Zustand fast immer makellos (mit ein paar Ausnahmen).
  • Viele der Holzschnitte haben den Stempel Made in Japan auf der Rückseite.
  • Die Holzschnitte spiegeln den persönlichen Geschmack des Sammlers wieder und haben deshalb eine Art von gemeinsamen "Look and Feel". Robert O. Muller hatte einen erlesenen Geschmack, ein scharfes Auge für Kunst und das ständige Streben nach Perfektion in sich.

Wenn man lange genug mit "Muller Holzschnitten" zu tun hat, bekommt man so was wie ein "Gefühl" dafür. Mehr aber auch nicht.

Als der kommerzielle Teil der "Muller Kollektion" in den Markt gelangte, äusserten etliche Händler die Befürchtung, dass die grosse Anzahl die Preise in den Keller treiben könnte - vor allem die Preise für Shin Hanga Blätter. Wir können das nicht bestätigen. Aus unserer Sicht waren die Preise im Jahr 2003 für viele Künstler niedriger als etliche Jahre davor. Dies war aber vermutlich eher das Ergebnis der strukturellen Veränderungen im Markt mit dem Vordringen der Online Verkäufe.

Populäre Sites wie artelino ziehen neue Kunstkäufer in grosser Zahl an, die niemlas die Schwelle einer realen Galerie überschritten hätten. Seit Ende 2004 beobachten wir steigende Nachfrage. Die Preise ziehen jetzt wieder an.

Dieter und Yorie im April, 2005

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