Kokei Tsuruya - geboren 1946

Kokei Tsuruya ist in jeder Hinsicht ein einzigartiger Künstler. Nicht nur sein Kunststil und sein Talent sind einmalig, sondern auch die Art und Weise wie er ein Künstler wurde und die plötztliche und mysteriöse Nachricht seiner selbst gewählten Pensionierung, die seine Fans Ende 2000 schockte.

Acht Arten von Hölle

Kokei Tsuruya wurde unter seinem richtigen Namen Gen Mitsu in der Stadt Chikasaki in der Präfektur von Kanagawa geboren. Obwohl er in eine Künstlerfamilie geboren wurde, hatte er niemals eine formale Kunstausbildung erhalten, noch hatte er die Absicht in die Fusstapfen seines Vaters und Grossvaters zu treten, die beide professionale Maler waren. Gen Mitsu nahm einen Job als einfacher Angestellter an bis er das 32. Lebensjahr erreicht hatte.

Zu der Zeit hatte er die Idee, Schauspielerportraits in einem modifiziertem Stil nach Sharaku zu machen, dem grössten und rätselhaftesten Künstler in der Geschichte des japansichen Farbholzschnitts. Kokei machte seine ersten Grafiken von populären, zeitgenössischen Kabuki Schauspielern mit einer Menge an Energie und Enthusiasmus. Und als der grosse Augenblick kam, der Welt seine Holzschnitte zu zeigen... passierte gar nichts. Keiner kam um sie zu sehen und keiner kaufte was. Kokei war frustriert, aber er war ein wackerer Kämpfer. Er machte ein paar neue Versuche ein Grafik Künstler zu werden - sogar mit einem neuen Thema, einer Serie von 8 Holzschnitten mit dem Titel Acht Arten von Hölle.

Und der wache Leser ahnt es - es ging wieder daneben und war die Hölle für den jungen Künstler!

Das Kabuki-za Theater in Tokyo

Schliesslich kam ein Mann daher, der von Kokeis Grafiken Notiz nahm. Es war Takeomi Nagayama, der Direktor des berühmten Kabuki-za, dem alten Kabuki Theater mitten in Tokyo. Nagayama baute den jungen Künstler nicht nur wieder psychologisch auf, er hatte auch eine praktikable Idee. Er schlug vor, die Grafiken an der Theaterkasse zu verkaufen. ( Heute würde man sowas in Yuppie Sprache Zielgruppengerechtes Marketing nennen. )

Wie auch immer, es funktionierte. Die Verkäufe waren am Anfang nicht spektakulär, aber nach und nach zogen sie an. Später als die Nachfrage nach Kokei Tsuruya Drucken so richtig heiss wurde, wurde auch ein Subskriptionsangebot aufgelegt.

Ein rätselhaftes aber grossartiges Talent

Als Sharaku seine weltberühmten Farbholzschnitte geschaffen hatte, machte er einen grossartigen Entwurf auf Papier und abgesehen von ein paar späteren Checks und Korrekturen - das war es für ihn. Er konnte jetzt einen Tee trinken gehen oder sich neue Grafikentwürfe einfallen lassen. Null Risiko sich mit dem scharfen Schnitzmesser in den Finger zu schneiden oder mit der Druckertinte den Kimono zu versauen! Das war die Verantwortlichkeit von zwei anderen Burschen - einem viele Jahre lang ausgebildeten Schnitzer und einem geschickten Drucker.

Nicht so für Kokei Tsuruya. Der Künstler, der niemals ein formales Kunsttraining erhalten hatte, war wie die Sosaku Hanga Künstler. Die wollten auch immer alles selber machen. Und Kokei meisterte nicht nur den gesamten Prozess der Produktion einer Grafik. Er setzte seine eigenen Masstäbe auch noch auf die höchstmögliche Sprosse. Er benutzte ein sehr dünnes Papier mit dem Namen ganpi, das sehr schwer zu bedrucken ist. Und dann benutzte er auch noch all diese üppigen und ausgefeilten Techniken wie gofun (ein weisses Puder) und mica (metallische Pigmente) die das denkbar höchste Geschick erfordern, aber eine gewöhnliche Grafik in eine grossartige Luxusausgabe verwandeln.

Kokeis Grafik Editionen waren klein. Er benötigte 40 Tage um eine Edition von 72 Kopien zu vollenden - vom Design übers Schnitzen bis zum Drucken. Übrigens, Kokei soll seine Holzblöcke tatsächlich zerstört haben, nachdem er eine Edition beendet hatte. Die wenigsten Künstler, die limitierte Editionen produzieren, tun das.

Der Künstler der plötzlich aufhörte

Sharaku verschwand nach nur 10 Monaten. Kokei ist nach 22 Jahren grafischen Schaffens nicht verschwunden. Aber Ende des Jahres 2000 hat er verlauten lassen, dass er nie mehr eine Schauspielergrafik machen würde. Man muss dazu wissen, dass den Künstler in den Monaten zuvor ein sehr hartes persönliches Schicksal getroffen hatte.

Man kann nur hoffen, dass Kokei sich diese Entscheidung nochmals durch den Kopf gehen lässt. Er ist doch Jahrgang 1946 und noch viel zu jung zum Aufhören.

Literaturquellen für diese Kokei Tsuruya Biografie

  • "Print-maker Specializes in Okubi-e", by Rei Sasaguchi, published in Japan Times in 1988
  • "The 100th anniversary of the Kabuki-za Theater, Tsuruya Kokei: Kabuki Actor Prints", published in 1988
  • "Tsuruya Kokei - The Complete Woodblock Prints 1978-2000", Hiraki Ukiyo-e Foundation, 2000, no ISBN number

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